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Nephrologie

Die Schweizerische Gesellschaft für Nephrologie empfiehlt, folgende fünf  Interventionen in der Nephrologie zu vermeiden:

1) Beginnen Sie keine chronische Dialyse ohne Einbeziehung des Patienten und seiner Familie im Entscheidungsprozess.

 

Die Einleitung einer chronischen Dialyse sollte individuell im Rahmen einer Diskussion mit dem Patienten, seiner Familie und der behandelnden Ärzten entschieden werden. Dieser Prozess beinhaltet, dass man die Wünsche und Ziele der einzelnen Patienten erfährt und Informationen zur Prognose und dem zu erwartenden Nutzen oder/und Schaden einer Dialyse im Rahmen dieser Ziele liefert. Begrenzte Beobachtungsdaten bei älteren Patienten mit hoher Komorbidität weisen darauf hin, dass sich das Überleben nicht wesentlich unterscheidet bei einer chronischen Dialyse im Gegensatz zu einer konservativen Behandlung.

 

Referenz

Amy W. Williams, Amy C. Dwyer, Allison A. Eddy, Jeffrey C. Fink, Bertrand L. Jaber, Stuart L. Linas, Beckie Michael, Ann M. O’Hare, Heidi M. Schaefer, Rachel N. Shaffer, Howard Trachtman, Daniel E. Weiner, and Ronald J. Falk, on behalf of the American Society of Nephrology Quality, and Patient Safety Task Force . Critical and Honest Conversations: The Evidence Behind the “Choosing Wisely” Campaign Recommendations by the American Society of Nephrology. Clin J Am Soc Nephrol 2012. doi: 10.2215/CJN.04970512

2) Führen Sie kein onkologisches Screening für asymptomatische Patienten mit dialysepflichtiger Nierenerkrankung durch, ohne Risiken und Nutzen besprochen zu haben.

 

Wegen der hohen Sterblichkeitsrate bei Patienten mit dialysepflichtiger Nierenerkrankung verbessert ein onkologisches Screening – z.B. Mammographie, Darmspiegelung, Prostata spezifisches Antigen (PSA) und Pap Abstrich – das Überleben nicht. Falsch positive Tests können Schaden verursachen: unnötige Prozeduren, Überbehandlung, fälschlich gestellte Diagnosen und erhöhten Stress. Eine Krebsvorsorge sollte individuell erfolgen unter Einbeziehen der Risikofaktoren, der zu erwartenden Überlebensrate oder im Hinblick auf eine mögliche Nierentransplantation.

 

Referenz:

Amy W. Williams, Amy C. Dwyer, Allison A. Eddy, Jeffrey C. Fink, Bertrand L. Jaber, Stuart L. Linas, Beckie Michael, Ann M. O’Hare, Heidi M. Schaefer, Rachel N. Shaffer, Howard Trachtman, Daniel E. Weiner, and Ronald J. Falk, on behalf of the American Society of Nephrology Quality, and Patient Safety Task Force . Critical and Honest Conversations: The Evidence Behind the “Choosing Wisely” Campaign Recommendations by the American Society of Nephrology. Clin J Am Soc Nephrol 2012. doi: 10.2215/CJN.04970512

3) Vermeiden Sie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) bei Personen mit Bluthochdruck, Herzversagen und/oder chronischer Nierenerkrankung.

 

Der Gebrauch von NSAR auch von Cyclo-Oxygenase Typ2 (COX-2) – Hemmern, zur pharmakologischen Behandlung von Muskel – und Skelettschmerzen kann den Blutdruck erhöhen, die Wirkung antihypertensiver Mittel mindern, Flüssigkeitsretention verursachen und die Nierenfunktion verschlechtern. Andere Wirkstoffe wie Paracetamol, Tramadol oder der kurzfristige Gebrauch von Opiaten können weniger nephrotoxisch und genauso wirksam wie NSAR sein.

 

Referenz:

Amy W. Williams, Amy C. Dwyer, Allison A. Eddy, Jeffrey C. Fink, Bertrand L. Jaber, Stuart L. Linas, Beckie Michael, Ann M. O’Hare, Heidi M. Schaefer, Rachel N. Shaffer, Howard Trachtman, Daniel E. Weiner, and Ronald J. Falk, on behalf of the American Society of Nephrology Quality, and Patient Safety Task Force . Critical and Honest Conversations: The Evidence Behind the “Choosing Wisely” Campaign Recommendations by the American Society of Nephrology. Clin J Am Soc Nephrol 2012. doi: 10.2215/CJN.04970512

4) Beginnen Sie keine Behandlung mit Erythropoiese-stimulierenden Wirkstoffen (ESA) bei Patienten mit asymptomatischer, chronischer Nierenerkrankung und Hämoglobinspiegeln ≥ 10g/dL.

 

Eine Normalisierung der Hämoglobinspiegel durch ESA-Gabe bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung konnte weder einen Überlebensvorteil zeigen noch die die kardiovaskuläre Morbidität senken und ist im Vergleich zu einem moderaten Hämoglobinzielspiegel von 9 –11g/dl sogar schädlich. ESA sollten verschrieben werden, um Transfusionen zu minimieren. Der optimale Hämoglobinzielspiegel ist der tiefstmögliche Wert unter Berücksichtigung der individuellen Patientenbedürfnisse.

 

Referenz:

Amy W. Williams, Amy C. Dwyer, Allison A. Eddy, Jeffrey C. Fink, Bertrand L. Jaber, Stuart L. Linas, Beckie Michael, Ann M. O’Hare, Heidi M. Schaefer, Rachel N. Shaffer, Howard Trachtman, Daniel E. Weiner, and Ronald J. Falk, on behalf of the American Society of Nephrology Quality, and Patient Safety Task Force . Critical and Honest Conversations: The Evidence Behind the “Choosing Wisely” Campaign Recommendations by the American Society of Nephrology. Clin J Am Soc Nephrol 2012. doi: 10.2215/CJN.04970512

 

5) Vermeiden Sie, wenn möglich, Venenkatheter am Arm bei Patienten mit chronischer Nierenfunktionseinschränkung Stadium 4 – 5, wenn eine Hämodialyse geplant ist.

 

Die Erhaltung der Venen ist wichtig für Patienten mit chronischer Nierenfunktionseinschränkung Stadium 4 – 5. Arteriovenöse Fisteln (AVF) sind im Vergleich zu zentralen Venenkathetern und Kunststoffinterponaten der beste Hämodialysezugang mit weniger Komplikationen und niedrigerer
Sterberate. Häufige Venenpunktionensind schädlich und zerstören mögliche AVF Stellen. Periphere und zentrale Venenkatheter können Thrombosen und Stenosen auslösen. Eine frühe nephrologische Mitbetreuung kann unnötige Venenpunktionen und -katheter vermeiden helfen und erhöht den Gebrauch von AVF als primären Hämodialysezugang

 

Referenz:

Amy W. Williams, Amy C. Dwyer, Allison A. Eddy, Jeffrey C. Fink, Bertrand L. Jaber, Stuart L. Linas, Beckie Michael, Ann M. O’Hare, Heidi M. Schaefer, Rachel N. Shaffer, Howard Trachtman, Daniel E. Weiner, and Ronald J. Falk, on behalf of the American Society of Nephrology Quality, and Patient Safety Task Force . Critical and Honest Conversations: The Evidence Behind the “Choosing Wisely” Campaign Recommendations by the American Society of Nephrology. Clin J Am Soc Nephrol 2012. doi: 10.2215/CJN.04970512

 

Schweizer Gesellschaft für Nephrologie (SGN)

www.swissnephrology.ch

Zur Entstehung dieser Liste

 

Die American Society of Nephrology (ASN) führt eine Arbeitsgruppe für Qualität und Patientensicherheit. Diese fördert das Engagement der ASN, Patienten eine qualitativ hochwertige Versorgung zu bieten und das Bewusstsein für Fragen der Patientensicherheit aller Fachkräfte zu schärfen, die Patientenmit Nierenerkrankungen betreuen. Die Gremien der ASN brachten Expertise in die Arbeitsgruppe ein, um sicherzustellen, dass alle Bereiche der Nephrologie enthalten sind. Die endgültige Liste der fünf Punkte wurde einstimmig von der ASN verabschiedet und 2012 im Rahmen der Initiative «Choosing Wisely» veröffentlicht.

 

Die Schweizerische Gesellschaft für Nephrologie hat diese Liste während einer Klausur des SGN-Ausschusses an den schweizerischen Kontext angepasst und im Mai 2016 veröffentlicht.