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Gastroenterologie

Die Schweizerische Fachgesellschaft für Gastroenterologie empfiehlt, folgende fünf Interventionen in der Gastroenterologie zu vermeiden:

1) Für die medikamentöse Behandlung der gastroösophagealen Refluxerkrankung (GERD) sollte die säuresupprimierende Therapie (mit Protonenpumpenblockern oder Histamin-2-Rezeptorantagonisten) auf die niedrigste mögliche Dosierung eingestellt werden, die das Erreichen des therapeutischen Ziels noch gewährleistet.

 

Das hauptsächliche Risiko, das mit der Reduktion oder dem Absetzen der säuresupprimierenden Therapie einhergeht, ist eine Verschlechterung der Refluxsymptomatik. Die Entscheidung sowohl bezüglich Notwendigkeit als auch Dosis einer Erhaltungstherapie wird eher durch den Einfluss der Symptome auf die Lebensqualität des Patienten als durch das Ausmass der Krankheitskontrolle bestimmt.

 

Referenzen
American Gastroenterological Association Medical Position Statement on the Management of Gastroesophageal Reflux Disease. Gastroenterology, 2008.

2) Falls eine Koloskopie von hoher Qualität bei Patienten mit durchschnittlichem Karzinomrisiko keine Hinweise für eine Neoplasie ergab, sollte die nächste Screeninguntersuchung (unabhängig von der Methode) frühestens nach 10 Jahren erfolgen.


Die Screeningkolonoskopie alle 10 Jahre ab einem Alter von 50 Jahren ist das empfohlene Intervall für Erwachsene ohne erhöhtes Kolonkarzinomrisiko. Publizierte Studien belegen ein niedriges Risiko für ein Intervallkarzinom im Zeitraum von 10 Jahren nach Durchführung einer Screeningkolonoskopie von hoher Qualität.

 

Referenzen:

Winawer S et. al. and US Multisociety Task Force on Colorectal Cancer. Colorectal Cancer Screening and Surveillance, Clinical Guidelines and Rationale—Update Based on New Evidence. Gastroenterology, 2003.

Rex et. al. Quality indicators for colonoscopy. Gastrointestinal Endoscopy, 2006.

3) Bei Patienten, bei denen bei einer Koloskopie von hoher Qualität nur ein oder zwei kleine (< 1cm) adenomatöse Polypen ohne hochgradige Dysplasie vollständig entfernt wurden, sollte eine Verlaufskolonoskopie nicht vor 5 Jahren durchgeführt werden.

 

Das Intervall für eine endoskopische Verlaufsüberwachung sollte auf Basis der Ergebnisse der vorangegangenen Screeningkolonoskopie von hoher Qualität festgelegt werden.
Evidenzbasierte (publizierte) Guidelines empfehlen bei Patienten mit ein oder zwei kleinen adenomatösen Polypen mit low grade Dysplasie ein Kontrollintervall von 5 bis 10 Jahren nach der initialen vollständigen Polypektomie. Das genaue Festlegen des Verlaufsintervalls sollte sich auf weitere klinische Kriterien wie Ergebnisse früherer Kolonoskopien, der Familienanamnese und dem Wunsch des Patienten sowie des Urteils des behandelnden Arztes stützen.

 

Referenzen:

Levin B et. al. Screening and Surveillance for the Early Detection of Colorectal Cancer and Adenomatous Polyps, 2008: A Joint Guideline From the American Cancer Society, the US Multi-Society Task Force on Colorectal Cancer, and the American College of Radiology. Gastroenterology, 2008.
Rex et. al. Quality indicators for colonoscopy. Gastrointestinal Endoscopy, 2006.

4) Bei einem Patienten mit diagnostiziertem Barrett- Ösophagus, bei dem auch in der zweiten Endoskopie histologisch keine Dysplasien festgestellt wurden, sollte die nächste endoskopische Verlaufskontrolle frühestens nach 3 Jahren erfolgen.

 

Bei Patienten mit Barrett-Ösophagus ohne Dysplasie ist das Karzinomrisiko niedrig. Bei diesen Patienten ist es angemessen und sicher, den Ösophagus zum Ausschluss von Dysplasien nicht enger als in einem 3-Jahresintervall zu untersuchen.

 

Referenzen:

American Gastroenterological Association Medical Position Statement on the Management of Barrett’s Esophagus Gastroenterology.
Wang KK, Sampliner RE and The Practice Parameters Committee of the American College of Gastroenterology. Updated Guidelines 2008 for the Diagnosis, Surveillance and Therapy of Barrett’s Esophagus, Journal of Gastroenterology, 2008.

5) Bei einem Patienten mit funktionellen Bauchschmerzen (Rom IV Kriterien) sollte eine Computertomographie des Abdomens nur dann wiederholt werden, wenn sich klinisch eine deutliche Veränderung der Beschwerden oder der Untersuchungsbefunde ergeben haben.

 

Es gibt ein kleines, aber messbares Karzinomrisiko nach Röntgenstrahlenexposition. Eine Abdomen-CT gehört zu den Untersuchungen mit höherer Strahlenbelastung und entspricht einer 3-jährigen Exposition mit natürlicher Strahlung. Aufgrund dieses Risikos und der hohen Kosten sollte eine Abdomen-CT nur dann erfolgen, wenn relevante Befunde, die das Patienten Management verändern, zu erwarten sind.

 

Referenzen:

Drossman DA, Corazziari E, Delvaux M, Spiller RC, Talley NJ, Thompson WG, et al. , eds. Rome III. The Functional Gastrointestinal Disorders, 2nd edn., 2006.
Clouse, RE et al. Functional Abdominal Pain Syndrome. Gastroenterology, 2006.
U.S. Food and Drug Administration. Reducing Radiation from Medical X-rays This article appears on FDA’s Consumer Updates page, which features the latest on all FDA-regulated products. Date Posted: February 19, 2009. Accessed at http://www.fda.gov/ForConsumers/ConsumerUpdates/ucm095505.htm.
Image Wisely and US Food and Drug Administration. My Medical Imaging History.
Access at
http://www.radiologyinfo.org/en/safety/ImageWisely/7678_Medical%20Imaging%20History.pdf.

Schweizerische Fachgesellschaft für Gastroenterologie (SGG)

www.sggssg.ch

Zur Entstehung dieser Liste

 

Die American Gastroenterological Association (AGA) hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, an der sich Mitglieder des Clinical Practice and Quality Management Committee (CPQMC), der Vorsitzende des Practice Management and Economics Committee (PMEC), der Chief Medical Officer der AGA Digestive Health Outcomes Registry® und Mitglieder des AGA Institute Governing Board beteiligten.Das CPQMC bat die Arbeitsgruppe um Vorschläge zu den «fünf Dingen».

 

Diese Vorschläge wurden durch das CPQMC geprüft und um weitere Themen ergänzt, woraus eine Liste mit sechs provisorischen Punkten entstand. Die Arbeitsgruppe arbeitete weiter daran, die Liste einzuschränken und zu präzisieren, bevor dem CPQMC und dem PMEC ein endgültiger Entwurf vorgelegt wurde. Nach letzten Anpassungen zur Vereinfachung der Sprache und Vermeidung komplizierter klinischer Terminologie wurde die finale Liste schliesslich an das AGA Institute Governing Board eingereicht und von diesem genehmigt.

 

Der Vorstand der SGGSSG hat die von der American Association of Gastroenterology im April 2012 publizierte «Choosing Wisely»-Liste geprüft und sie auch für die Schweiz für vollumfänglich anwendbar und vernünftig befunden.