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Ambulante Allgemeine Innere Medizin

Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin empfiehlt, folgende fünf Interventionen in der amublanten Medizin zu vermeiden:

1) Durchführen einer bildgebenden Diagnostik in den ersten sechs Wochen bei Patienten mit unspezifischen Lumbalgien

 

«Unspezifischer Schmerz» schliesst Alarmzeichen («red flags») wie schwere / progrediente neurologische Defizite oder den Verdacht auf eine maligne / infektiöse Erkrankung aus. Eine bildgebende Diagnostik bei unspezifischem Schmerz während der ersten sechs Wochen verbessert das Outcome nicht, erhöht aber die Strahlenexposition und die Kosten.

 

Quellen: Agency for Health Care Research and Policy, National Institute for Health and Care Excellence 

Evidenzlevel: Metaanalyse randomisiert-kontrollierter Studien 

2) Messung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) zwecks Prostatakrebs-Screening ohne eine Diskussion von Risiko und Nutzen

 

Der Nutzen eines PSA-Screening ist unklar. Die Probanden sollten das Risiko von Überdiagnostik und Überbehandlung verstehen, bevor sie sich einem Test unterziehen. Das Screening bei über 75-Jährigen sollte nicht angeboten werden.

 

Quellen: American College of Physicians, National Health Service, Swiss Society of Urology

Evidenzlevel: zwei grosse, randomisiert-kontrollierte Studien

3) Verschreiben von Antibiotika gegen unkomplizierte Infekte der oberen Luftwege

 

Der Grossteil unkomplizierter Infekte der oberen Luftwege ist viraler Natur, wogegen Antibiotika wirkungslos sind.

 

Quellen: Centers for Disease Control, American Academy of Family Physicians, National Institute for Health and Clinical Excellence
Evidenzlevel: multiple randomisiert-kontrollierte Studien 

4) Durchführen eines präoperativen Thorax-Röntgenbildes, ausser bei Verdacht auf eine intrathorakale Pathologie

 

Das Röntgenbild verspricht keine relevante Änderung des Managements oder eine Verbesserung des Outcome beim asymptomatischen Patienten.

 

Quellen: American College of Radiology, Royal College of Radiologists

Evidenzlevel: multiple grosse, retrospektive Kohortenstudien 

5) Weiterführen einer Langzeit-Pharmakotherapie bei gastrointestinalen Symptomen mit Protonen-Pumpenblockern ohne Reduktion auf die tiefste wirksame Dosis

 

Risiken und Nutzen einer Behandlung sollten regelmässig mit Patienten diskutiert werden, weil Nebenwirkungen den Nutzen überwiegen können. Gilt auch für Histamin-2-Rezeptor-Antagonisten.

 

Quellen: American Gastroenterological Association, National Institute for Health and Clinical Excellence

Evidenzlevel: randomisiert-kontrollierte Studien und prospektive Kohortenstudien